Was ist die ÖNORM B1300?

Gebäudesicherheit bei Wohngebäuden systematisch beurteilen

Die ÖNORM B1300 beschäftigt sich mit der Sicherheit von Wohngebäuden und deren allgemein zugänglichen Bereichen. Sie unterstützt Eigentümer:innen, Hausverwaltungen und Gebäudeverantwortliche dabei, den Zustand eines Gebäudes regelmäßig zu beobachten und mögliche Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen.

Wohngebäude werden oft über Jahrzehnte genutzt. Während sich Bauteile, technische Anlagen und Nutzungsanforderungen laufend verändern, bleiben viele Risiken zunächst unbemerkt. Die ÖNORM B1300 bietet daher einen strukturierten Rahmen für regelmäßige Sichtkontrollen und die Dokumentation sicherheitsrelevanter Feststellungen.

Warum wurde die ÖNORM B1300 entwickelt?

Viele technische Anlagen wie Aufzüge, Brücken oder andere Infrastruktureinrichtungen werden regelmäßig überprüft. Bei Wohngebäuden fehlte lange Zeit eine vergleichbare Orientierung für die laufende Beurteilung der Gebäudesicherheit.

Die ÖNORM B1300 wurde entwickelt, um Eigentümer:innen und Hausverwaltungen bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung für sichere Gebäude zu unterstützen. Sie soll helfen, Gefahren zu erkennen, Kontrollen nachvollziehbar zu dokumentieren und notwendige Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten.

Für welche Gebäude gilt die ÖNORM B1300?

Die ÖNORM B1300 richtet sich in erster Linie an Wohngebäude. Dazu zählen beispielsweise Mehrparteienhäuser, Zinshäuser, Wohnhausanlagen und andere Gebäude mit Wohnungen und gemeinschaftlich genutzten Bereichen.

Im Mittelpunkt stehen jene Gebäudeteile, die von mehreren Personen genutzt werden oder allgemein zugänglich sind. Dazu gehören etwa Stiegenhäuser, Keller, Dachräume, Fassaden, Außenanlagen oder gemeinschaftliche technische Einrichtungen.

Welche Bereiche werden betrachtet?

Im Rahmen einer Objektsicherheitsprüfung können je nach Gebäude unterschiedliche Bereiche betrachtet werden:

  • Fassaden und Gebäudehülle
  • Dächer und Dachaufbauten
  • Stiegenhäuser und Verkehrswege
  • Handläufe und Geländer
  • Balkone und Terrassen
  • Keller und Allgemeinflächen
  • Außenanlagen und Zugangswege
  • Brandschutzrelevante Einrichtungen
  • Technische Anlagen in Allgemeinbereichen

Welche Ziele verfolgt die ÖNORM B1300?

Die Norm soll dazu beitragen, die Gebäudesicherheit langfristig zu erhalten und Risiken frühzeitig sichtbar zu machen. Gleichzeitig unterstützt sie Eigentümer:innen und Hausverwaltungen bei der strukturierten Dokumentation von Kontrollen und Feststellungen.

Durch regelmäßige Begehungen können Schäden häufig bereits in einem frühen Stadium erkannt werden. Dies ermöglicht eine bessere Planung von Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen und trägt zum langfristigen Werterhalt von Gebäuden bei.

Zusammenhang mit dem Bauwerksbuch Wien

Die Themen Gebäudesicherheit, Zustandsdokumentation und regelmäßige Kontrollen spielen auch beim Bauwerksbuch gemäß §128a Wiener Bauordnung eine wichtige Rolle. Beide Bereiche verfolgen das Ziel, den Zustand von Gebäuden nachvollziehbar zu dokumentieren und langfristig sichere Gebäude zu erhalten.

→ Mehr zum Bauwerksbuch Wien

Wohngebäude oder Nichtwohngebäude?

Die ÖNORM B1300 bezieht sich auf Wohngebäude. Für Bürogebäude, Hotels, Schulen, Kindergärten, Pflegeheime und andere Nichtwohngebäude kommt üblicherweise die ÖNORM B1301 zur Anwendung.

→ ÖNORM B1301 für Nichtwohngebäude

Objektsicherheitsprüfung in der Praxis

Die praktische Umsetzung erfolgt häufig durch regelmäßige Gebäudebegehungen und Sichtkontrollen. Dabei werden sicherheitsrelevante Bereiche dokumentiert und mögliche Mängel erfasst.

→ Objektsicherheitsprüfung Wien